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Abteikirche St. Mauritius 

Ursprung

Um 600 v. Chr. wurde der Schaumberg von den Kelten zu einer Fliehburg ausgebaut. Um 50 v. Chr. errichteten hier die Römer ein Kastell zum Schutz der Römerstraßen, die sich am Fuße des Schaumberges kreuzten. Am Ort der heutigen Abtei wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. eine Badeanlage mit umgebender großer Domäne, u.a. auch einer Poststation, errichtet. 

    

Bau des Adalgisel-Grimo

Foto: Anneliese Schumacher

Der erste rechteckige Kirchenbau des fränkischen Adeligen Adalgisel Grimo über der ehemaligen römischen Poststation war um 620 Eigenkirche des fränkischen Diakons Grimo. 

Grimo vermachte sie 634 dem bischöflichen Stuhl von Verdun  und übertrug die seelsorgliche Jurisdiktion (Recht des Klerus zur Leitung der Mitglieder der Kirche mit den Funktionen Gesetzgebung, Rechtsprechung, Verwaltung)  dem Erzbischof-Metropoliten (Das Amt des Metropoliten bezeichnet seit dem frühen Christentum einen Oberbischof, der einem Verbund von Bistümern vorsteht) von Trier.

Da sich jeder Neubau der Klosterkirche im Verlauf der Jahrhunderte an der Ursprungsausrichtung der römischen Badeanlage orientierte, ist der heutige Sakralbau nicht vollständig geostet (darunter versteht man die Ausrichtung eines Kirchengebäudes nach Osten bzw. in Richtung der aufgehenden Sonne).

     

Erweiterungsmaßnahmen

Um das Jahr 750 wurde die Kirche durch eine rechteckige Choranlage erweitert, die genau der Größe der Choranlage der Willibrordusbasilika im luxemburgischen Echternach entspricht. 

Seit Abt Bernhardus (vor 947–um 972) ist das Kloster ein Benediktinerkloster. Im 10. Jahrhundert entstand das Archidiakonat Tholey mit 154 Pfarreien, dessen verantwortliche Leitung als Stellvertreter des Archidiakons das Trierer Domkapitel dem Abt übertrug. Archidiakon (auch Erzdiakon) war in der römisch-katholischen Kirche die Bezeichnung für einen Amtsträger, der von der Spätantike bis in die Frühe Neuzeit als Stellvertreter eines residierenden Bischofs wesentliche Verwaltungsaufgaben wahrnahm. Das Gebiet, für das er zuständig war, wurde als Archdiakonat bezeichnet. 

Nach dem Jahr 1066 wurde die Klosterkirche unter Einbeziehung der Grablege des als Märtyrer verehrten Trierer Bischofs Kuno von Pfullingen unter dem Sakramentsaltar zu einem dreischiffigen Rechteck erweitert. In den Jahren 1216 bis 1230 wurde dieser Bau zum Schutz vor Bränden eingewölbt. Dennoch fiel die Kirche bereits im Jahr 1230 mitsamt den Klostergebäuden einem Großbrand zum Opfer.

     

Mittelalterliche Neubaumaßnahmen

Im Jahr 1236 begann man am Ort der Brandruine mit der Errichtung einer neuen Klosterkirche mit drei Apsiden im romanischen Stil. Noch vor seiner Vollendung fiel dieser Bau einem weiteren Brand anheim.

Als man im Jahr 1260 mit den Arbeiten zur jetzigen Kirche begann, beließ man das romanische Fundament des nicht vollendeten Vorgängerbaues und errichtete hierauf dem Stil der Zeit entsprechend unter trierischem und lothringisch-burgundischem Einfluss eine frühgotische Kirche. Der Formenapparat der klassischen französischen Gotik wurde in Tholey auf ein monastisches Minimum reduziert. Portal, der mächtige Westturm und einige Lichtgadenfenster werden von der romanischen Bauanlage übernommen.

Das Hauptportal im Nordwesten entspricht in seiner Struktur in etwa dem Hauptportal der Trierer Liebfrauenkirche. Das Bogenfeld zeigt in stark verwitterter Form die Auferstehung Jesu. Der wuchtige Westturm mit seiner barocken Turmhaube prägt heute noch das Ortsbild von Tholey. Der Turm wurde von der romanischen Bauanlage übernommen. Das heutige Bauwerk war um das Jahr 1302 vollendet.  . 

Das Langhaus wird von 12 Pfeilern getragen und hat eine Länge von 47 Metern, eine Breite von 20 Metern und eine Höhe von 31 Metern. An den Schlusssteinen der Gewölbe finden sich Blattwerkschmuck und vereinzelte figürliche Darstellungen.

Für die Gläubigen des Dorfes war bereits um das Jahr 1000 eine Kapelle mit dem Patrozinium Johannes des Täufers auf dem heutigen Tholeyer Marktplatz errichtet worden, die heute aber nicht mehr besteht.

         

Barockzeit, Französische Revolution, Nutzung als Pfarrkirche

Als Tauf- und und Wallfahrtskirche war die Klosterkirche von Anfang an ein Zentrum der Seelsorge. Ende des 15. Jahrhunderts trat die Abtei Tholey der Bursfelder Kongregation bei und erlebte eine Blütezeit.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) und erneut in den Wirren der französischen Revolution wurde das Kloster mehrfach geplündert und gebrandschatzt.

Die Blütezeit des Klosters neigte sich 1768 durch Einsetzung des Kommendatarabtes Pierre de Salabert durch den König von Frankreich dem Ende zu und endete dann endgültig 1794 durch Brandschatzung und Plünderung durch französische Revolutionstruppen. 

Am 7. Juli 1794 schließlich wurde das Kloster aufgehoben. Im Jahr 1798 wurden Kirche und Klostergebäude in Metz öffentlich für 50.000 Franken versteigert.  Im Jahr 1806 erwarb ein Tholeyer Bürger die Klosteranlage für 1.650 neue Gulden und schenkte sie der Gemeinde als Pfarrkirche. Die Kirche wurde mit barocken Altären ausgestaltet. 

Im 19. Jahrhundert wurden an dem Gebäude zahlreiche Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt und die Kirche im Stil des Historismus ausgemalt.

      

Renovierungsmaßnahmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Foto: tiegeltuf from Bexbach, Saarland, CC BY-SA 2.0

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Sakralgebäude in den Jahren 1903 bis 1906 einer großen Renovierung unterzogen und die Turmfundamente weitgehend unterfangen. Auch die Gewölbekappen wurden fast vollständig erneuert. Der Fußboden, den man im Laufe der Jahrhunderte wegen aufsteigenden Grundwassers erhöht hatte, wurde wieder auf sein ursprüngliches Niveau abgesenkt. Auch die historistische Bemalung der Wände und Gewölbe wurde wieder entfernt. Das Gelände um die Kirche wurde tiefer gelegt und durch eine Mauer zur Straße hin abgesichert.

     

 

Generalsanierung der Nachkriegszeit

Wiedererrichtung 1949

Am 8. Dezember 1949 wurde die Abtei durch Papst Pius XII. wiedererrichtet und in der Osterwoche 1950 mit Mönchen aus der Trierer Abtei St. Matthias unter der Führung von Abt Petrus Borne (1910–1976) neu besiedelt. Das Kloster schloss sich der Beuroner Kongregation an. 


Renovierungen seit den 1950er und 1960er Jahren

Bei der Renovierung der Kirche in den Jahren 1957 bis 1963 wurden sämtlichen mittelalterlichen Kirchenfundamente durch massive Eisenbetonfundamente ersetzt, die gesamte Steinaußenhaut des Nordseitenschiffes mit den Maßwerkfenstern erneuert sowie der Dachstuhl in Eisenbetonverstrebungen im Sinne einer »Mauerwerkszange« neu konstruiert. Im Fußboden wurde eine Heizung eingebaut.

Liturgisch wurde der Kirchenraum im Stil der Zeit gestaltet, wobei man eine neue Taufkapelle im Westen anbaute und den gotischen Altar mit seinen mittelalterlichen Reliquiennischen zerstörte, um ihn durch einen modernen glatten Blockaltar ersetzen zu können.

Der moderne Altar ist mit einem Wabenmuster aus vergoldeten Kupferplatten mit Perlmutteinlagen der Aachener Goldschmiedewerkstatt Schwerdt und Förster geschmückt. Schwerdt und Förster schufen auch das moderne Lesepult, die Leuchter und das Tabernakel in der Sakramentskapelle. 

Bei der Sanierungsmaßnahme entfernte man ebenso alle neogotischen Ausstattungsstücke. Das aus dem Jahr 1704 stammende Chorgestühl, von dem heute nur noch die Hälfte des ursprünglichen Bestandes erhalten ist, wurde in Richtung Apsis verschoben. Anstelle des neogotischen Altaraufbaues positionierte man einen um das Jahr 1300 entstandenen Verkündigungsengel vom Seitenpfeiler des Hauptportals in der Apsis der Kirche.     

Die Bildteppiche des Kreuzweges, die von der Aachener Textilkünstlerin Wirtz-Getz in den 1960er Jahren gefertigt worden waren, wurden in den 1990er Jahren wieder durch neu gerahmte neogotische Kreuzwegstationen ersetzt. 


Sanierung 2018–2020

Seit Mai 2018 wird die Tholeyer Abteikirche umfangreich saniert. Das frühgotische Gotteshaus ist deshalb geschlossen und innen wie außen komplett eingerüstet. Die Kirche wird frühestens im Herbst 2019, vermutlich aber erst nach Ostern 2020 wiedereröffnet. 


Geschichte der Wallfahrtstradition

Bereits um 1200 besaß die Abtei Tholey einen umfangreichen Reliquienschatz, der sicherlich auch Gegenstand der Verehrung war. Von dem blühenden Wallfahrtswesen der Zeit vor der Französischen Revolution blieben bis heute noch die Verehrung des Pfarr- und Abteipatrons St. Mauritius (lateinisch auch Mauricius; deutsch: Moritz, frz. Maurice; * angeblich bei Theben in Ägypten; † angeblich um 290 in Agaunum im Wallis, war der Legende nach der Anführer der Thebaischen Legion und wird in der katholischen und der orthodoxen Kirche seit dem 4. Jahrhundert als Heiliger verehrt).  sowie des mit Tholey in legendärer Weise verbundenen Hl. Wendelin (Einsiedler, Nothelfer; * um 555 in Delvin (?) in Irland (oder Schottland; † 617 (?) in Tholey im Saarland), der einst Abt der Klosters gewesen sein soll. Darüber hinaus wird der Hl. Benedikt als Ordensheiliger besonders verehrt.

Nur noch Reste oder Erinnerungen sind von der Verehrung des Hl. Theobert, dem Hausheiligen der alten Abtei, und des einst in Tholey bestatteten und als Märtyrer verehrten Cuno von Pfullingen (1066 ermordeter Erzbischof von Trier) geblieben. In jüngster Zeit wird die Bedeutung Tholeys als Etappenort der Jakobswege wiederbelebt.

Der große traditionelle Wallfahrtstag war der Freitag nach Pfingsten. Über 50 Pfarreien der weiteren Umgebung bis hin in die Bistümer Metz und Mainz waren zu einer Pflichtwallfahrt nach Tholey angehalten. Erstmals wurde über die teilnehmenden Orte 1454 ein Verzeichnis erstellt. In den Bereich des alten Wallfahrtswesens gehört auch die »Heiligenverbrüderung« zwischen dem Hl. Mauritius und dem Hl. Wendelin, deren Reliquien bis zur Französischen Revolution jeweils für einen Tag zwischen Tholey und St. Wendel getauscht wurden.

  

Hauptfeste/Wallfahrtszeiten:

  • St. Mauritius (22. September)
  • Hl. Benedikt (den Sonntag nach dem 11. Juli, Klosterfest)
  • Hl. Wendelin (20. Oktober)


Quellen: kirche-am-schaumberg.de, abtei-tholey.de, de.wikipedia.org, heiligenlexikon.de, Landeshauptarchiv.de